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Christian Ryll – Ein Reilinger Ironman auf Hawaii – Aloha, ein Traum wurde wahr

 Ja, eigentlich wollte Christian Ryll (54) nach erlebnisreichen 31 Jahren Triathlon ab diesem Jahr etwas kürzer treten, seinen Triathlon Startpass zurückgeben und lediglich noch zu kleineren Triathlons starten. Doch auf einmal kam die Versuchung, der ein echter Ironman nicht widerstehen kann. Nach den guten Ergebnissen in 2016; unter anderem auf Mallorca und in Kopenhagen, hatte er genügend Wertungspunkte gesammelt und sich für einen Start auf Hawaii, bei der Ironman-Weltmeisterschaft, qualifiziert. „Nach den Qualifikationen 1988, 1993 und 1998, wo es terminlich oder krankheitsbedingt nie klappen sollte“ konnte ich einfach nicht Nein sagen“ so Christian Ryll der das äußerst umfangreiche Trainingsprogramm auch 2017 noch einmal auf sich nehmen musste. „Zu großem Dank bin ich hier auch meiner Frau Sabine und den Mädels Maren und Nathalie verpflichtet, die mir immer wieder den Rücken frei gehalten haben“. Er hat ihnen auch versprochen, dass es sein 35. und letzter Ironman war.

Auf Hawaii angekommen traf Christian auf viele deutsche „Legenden“ des Triathlons, neben den deutschen Favoriten Frodeno, Kienle und dem späteren Sieger Patrick Lange auch auf Thomas Hellriegel (1. Deutscher Sieger 1997 und kurzzeitiges ASG Mitglied) wie auch Faris Al-Sultan (Sieger 2013).

„Ich möchte einfach nicht ertrinken, denn das wird brutal“ hatte Christian großen Respekt vor dem 3,8 km langen Schwimmen im Pazifik, der durch den abnehmenden Vollmond unruhiger und die Wellen stärker wurden. Zusammen mit 212 deutschen Startern, darunter 36 Frauen stürzte er sich in Kailua Kona am Samstagmorgen um 7 Uhr Ortszeit in die Fluten. „Beim Schwimmen kam ich mir vor wie beim Eishockey; Ellbogenchecks, Fußtritte und Schläge ins Gesicht ließen sich nicht vermeiden wenn sich 2250 Triathleten gemeinsam ins Wasser stürzen, ich war echt froh nach 1:39 h dauernden Schleudergang nach 3,86 km wieder festen Boden unter den Füßen zu haben“. Ein Salzdefizit hatte er danach keinesfalls zu befürchten, denn er hatte beim Schwimmen genug geschluckt.

„Auf der 180 km langen Radstrecke haben die berühmt berüchtigten Mumuku-Winde echt zermürbt und eine bessere Radzeit unmöglich gemacht“  hätte Christian Ryll die Radstrecke doch gerne schneller hinter sich gebracht. Nach einer kurzen Schleife durch Kailua-Kona ging es 88 Kilometer fast  kerzengerade auf dem Highway durch die Lavawüste  über 600 Höhenmeter hinauf zum Wendepunkt nach Hawi. Die immer wieder auftretenden unberechenbaren Küstenwinde wurden dabei auch immer stärker. Die Hitze und die Luftfeuchtigkeit von fast 90% gepaart mit einem kräftigen Wind machten das Rennen immer schwieriger. Einige Athleten wurden auf dem Rückweg nach Kona sogar regelrecht von der Straße geweht. „Mach doch mal die Tür zu“ schrie ein deutscher Altersklassenathlet seinen Frust heraus.

Beim abschließenden Marathon ging der Ritt durch die Hölle weiter. Die Sonne  brannte gnadenlos auf den schon  aufgeheizten Asphalt. Wieder eine doppelte Wendepunktstrecke mit zermürbenden 350 Höhenmetern : Erst acht Kilometer den legendären Alii-Drive hinauf und wieder zurück und dann durch das fünf Kilometer lange noch legendärere Energie Lab, wo keine Zuschauer erlaubt waren und die letzten Körner bei Kilometer 32 nicht nur bei Ryll, endgültig verbraten waren. Nicht nur der leidgeprüfte zweifache Weltmeister, Jan Frodeno, musste hier wandern. Auch der spätere Champion Patrick Lange wollte in dem einsamen Abschnitt aufgeben. Zehn Kilometer später waren alle Schmerzen vergessen. Der emotionale Zieleinlauf stand bevor und die Finish Line war zum Greifen nah. Schnell laufen war zwar nicht mehr drin, sondern  immer wieder trinken, trinken und die Körpertemperatur herunterkühlen. „Ich musste zumindest nicht wandern und konnte einigermaßen im „Hausfrauenschnitt“ durchjoggen“ mit einem Augenzwinkern nach 12:51:58 h glücklicher Christian Ryll.