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ASG-Pyrenäentour 24.6. - 3.7.2016

Tour der Superlative

Die siebentätige Etappenfahrt der Ausdauersportgemeinschaft führte in diesem Jahr von Biarritz an der französischen Atlantikküste über die Pyrenäen nach Perpignan über 900 Kilometer und 20600 Höhenmeter ans Mittelmeer. Bevor es jedoch soweit war mussten die insgesamt 24 Radfahrer, darunter auch zehn Gastfahrer, eine fast 18-stündige, über 1364 Kilometer lange Busfahrt in einem allerdings sehr komfortablen Reisebus über sich ergehen lassen. Nachdem der Tour-Startort Biarritz am späten Nachmittag erreicht war, ging es erst einmal in den 16 Grad kühlen Atlantik um sich für die bevorstehende Tortur abzukühlen.

 

Eine Etappenfahrt der Superlative planten und organisierten die ASG-Tourenplaner Thomas Claus und Heinz Schwegler in Zusammenarbeit mit Stephanie und Horst Krayer vom „bike & fun“-Radshop aus Schwetzingen. Während die beiden erfahrenen Tourguides die Strecken in den Pyrenäen bis ins kleinste Detail planten und die einzelnen Etappen und die Zielorte festlegten, buchte Horst Krayer die komfortablen Teamhotels in den jeweiligen Etappenorten und war vor, während und nach der Tour für die ausreichende Verpflegung der Pedaleure verantwortlich.

 Mit 23 Pyrenäenpässen der ersten und zweiten Kategorie, mit einer durchschnittlichen Steigung zwischen sechs und zwölf Prozent sowie einer Länge zwischen acht und 28 Kilometern war die Etappenfahrt äußerst anspruchsvoll. War der Tour-Start am ersten Tag mit nur 80 Kilometer und 1000 Höhenmeter noch relativ gemächlich, ging es bei der zweiten Etappe von St. Jean-Pied-de-Port, dem Beginn des eigentlichen Jakobsweges, über 157,7 Kilometer und 2886 Höhenmeter schon wesentlich härter zur Sache. Von der französischen Kleinstadt mit nur 1527 Einwohnern pilgern täglich über 400 Wanderer über die Pyrenäen in das 790 Kilometer entfernte Santiago de Compostela. Auf dem Weg zum Mittelmeer stand bei der 105 Kilometer langen dritten Etappe über 2423 Höhenmetern noch der Col de Marie-Blanque und der 1709 Meter hohe Col d´Aubisque im Weg, der von den Radcracks bezwungen werden musste. Als eingespieltes Team zeigten sich immer wieder Stephanie und Horst Krayer, die die ausgehungerten Radcracks ausreichend verpflegten und betreuten. Selbst die beiden umsichtigen Busfahrer Theo und Günther vom Busunternehmen Mayer aus Plankstadt unterstützten die Pedaleure tatkräftig und brachten immer wieder das Reisegepäck der Teilnehmer in das nächste Teamhotel.

Die bis dahin anspruchsvollste vierte Etappe vom weltweit meistbesuchten Wallfahrtsort Lourdes über 121,6 Kilometer und 3444 Höhenmeter, wo die Radgruppe am Abend zuvor noch die berühmte Grotte besuchte, hatte es ebenfalls in sich. Auf eine Wunderheilung durch das heilige Lourdes-Quellwasser mussten die Radcracks, wie Zehntausende Gläubige am Tag, jedoch nicht hoffen. Alle waren noch topfit und kamen gut über die Berge. Allen voran die „Rentnergang“ mit den 66-jährigen Markus Lorbeer und Rainer Hüber von der ASG sowie die 68-jährigen Gastfahrer Ludger Kempf und Siggi Baasch, die sich bravourös die Berge hochkämpften. Erstaunlich erst die Leistung des mit 75 Jahren ältesten Teilnehmers, Jürgen Debrow aus Lampertheim-Hüttenfeld. „Ich kann nur den Hut ziehen“, war auch ASG-Pressewart Christian Ryll von deren unglaublichen Leistungsfähigkeit beeindruckt. Die drei erfahrenen Gastfahrer durften den Altersbonus in Anspruch nehmen und immer etwas vor dem offiziellen Start losfahren, so dass sich das Fahrerfeld in den Bergen nicht zu sehr auseinanderzog.

Aber auch die ASG-Powerfrauen Regine Dunker und Marion Gollnick sowie der 61-jährige Helmut Zimmermann bei seiner ersten Etappenfahrt zogen sich mehr als achtbar aus der Affäre. Mit dem 28 Kilometer langen Anstieg auf den berühmtberüchtigten Col du Tourmalet mit einer durchschnittlichen Steigung von 8,2 Prozent war der höchste Punkt der Pyrenäen in 2115 Meter Höhe über dem Meeresspiegel erreicht. Der höchste Pyrenäenpass wie auch etliche von der ASG gefahrenen Pyrenäenpässe werden auch in wenigen Tagen größtenteils von dem Fahrerfeld der „Tour de France“ in Angriff genommen. Nur bei der zwölf Kilometer langen Abfahrt vom 1489 Meter hohen Col d`Aspin hatte ein Großteil der Gruppe Pech, als sie ein heftiger Regenguss erwischte und ordentlich durchnässte. Nicht zu toppen war allerdings die Königsetappe von Bagneres-de-Louchon nach Tarascon-sur-Ariege über 162,2 Kilometer und 4000 Höhenmetern am fünften Tag. Mit dem Abschluss der sechsten Etappe nach Ax-les-Thermes mit 116 Kilometern und 3446 Höhenmetern war langsam das Ende abzusehen.

Bei der siebten und letzten Etappe ans Mittelmeer mussten „nur“ noch der 2001 Meter hohe Port de Pailhéres, der Col de Garavel und de Col de Jau bezwungen werden, bevor die austrainierten Radcracks auf der 82 Kilometer langen, spektakulären Abfahrt mit Rückenwind und mit einem Schnitt von über 40 Kilometer in der Stunde dem Mittelmeer in Saint-Cyprien-Plage „entgegenflogen“. Auch die anschließende Abkühlung im dem nur unwesentlich wärmeren Mittelmeer war genauso obligatorisch wie der Abschlussabend im Teamhotel. „Bis auf wenige Defekte sind wir gut durchgekommen. Wir hatten auch Riesenglück mit dem Wetter. Regen an einem Pass gehört einfach dazu“, freute sich Tourenplaner Thomas Claus besonders das keine Stürze zu beklagen waren. „Nur schade, dass so mancher hochkarätige Pyrenäenpass im Nebel oder in den Wolken versank und vom Bergpanorama nur wenig bis nichts zu sehen war“, trug es der zweite Streckenplaner Heinz Schwegler mit Fassung.

Vor allem fiel der wenige Autoverkehr in den Pyrenäen auf: „Anders als in den Alpen, wo Massentourismus herrscht, fährt man hier stundenlang einen Pass hoch ohne einem einzigen Auto zu begegnen“, ist der erfahrene Radreisen-Veranstalter von den Pyrenäen begeistert. Ein besonderes Lob hatten die Tour-Teilnehmer für Stephanie Krayer parat die so viele Radfahrer mit ihren unterschiedlichen Charakteren zum ersten Mal betreute und ihre Sache mehr als gut machte. Nachdem der Elfmeterkrimi der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Italien ein glückliches Ende fand, stand am nächsten Morgen nur noch die fast 13-stündige Busfahrt auf dem Programm.                                                                                      cry