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Mallorca Marathon 2015

Mallorca - die Revanche !  

Nach dem Desaster im letzten Jahr hatte Bernd noch eine Rechnung mit Mallorca offen. Ganz ging die Rechnung nicht auf - aber es sei vorab gesagt: "alle haben gefinished"!
Nathalie war mit Freund Stefan und ihren Eltern schon ein Tag vor uns auf der Insel. Sie hatte den Auftrag die Wolken zu vertreiben und die Sonne zu bestellen. Wie zu erwarten war, hat sie den Auftrag zu unserer Zufriedenheit erledigt. Als Francesco mit Sohn, Jürgen von der Heddesheimer Laufgruppe, alias Mauerläufer mit Frau, Bernd und ich am Mittwoch ankamen, wurde es von Tag zu Tag wärmer.

Startunterlagen ...

Am Samstagvormittag macht sich die  zehnköpfige Delegation aus Hoggene und Umgebung auf den Weg nach Palma. Wir fahren mit dem Rad. Eine herrliche Radstrecke führt bis zur Kathetrale La Seu. Dort trifft uns fast der Schlag. Im Parc de la Mar wollen wir die Unterlagen abholen, aber vor dem Eingang gibt es einen Stau! Die Läufer stehen in einer nicht enden werdende Schlange. Wir stellen uns nicht an. Dafür die Räder ab - ein folgenschwerer Fehler wie sich später herausstellen wird - und bummeln über die Expo, dann in die City. Am frühen Nachmittag versuchen wir erneut unser Glück die Startunterlagen zu bekommen und siehe da, die Warteschlange hat sich verflüchtigt. Zutritt haben nur die Läufer ! Angehörige bleiben draußen. Es geht recht schnell, weil sich nicht sehr viele zum Marathon angemeldet haben. Die katastrophale Organisation der Spanier, die dieses Event zum ersten Mal alleine ausgerichtet haben, ist bei den Teilnehmern und den Helfern zu spüren. Wir bekommen eine PLASTIKTÜTE in die Hand gedrückt! Eine billige Plastikdutt! Drin ist ein Umschlag mit der Startnummer und ein Schwamm - wir sind begeistert! Für die Läufer gibt es Pasta - fer umme! Wir holen uns den Plastiknapf mit Nudeln und setzen uns gemütlich auf die Liegestühle im Parc de la Mar und genießen die Sonne . Zurück an den abgestellten Fahrrädern,dann der Schock : " mein Rennrad ist weg!" Der Spaß soll mich noch richtig Geld und Schlaf kosten. Francesco,  den Marathon! Er hatte die Räder abgeschlossen und fühlte sich verantwortlich. Er konnte nichts dafür – einfach dumm gelaufen – der restliche Tag auch. Es geht heute ohne Sangria und Bierkönig ins Bett.


Der Start

Nathalie, Francesco, Jürgen, Bernd und ich verlassen kurz nach 7:00 Uhr bei Dunkelheit das Hotel und fahren mit dem Bus nach Palma. Unsere Fangemeinde kommt etwas später nach. An der Kleiderabgabe werden wir erkannt! Ein Läufer schielt auf unsere Trikots und mein: " Seid ihr nicht die Hockenheimer, die schon  letztes Jahr dabei waren und einer unter das Sauerstoffzelt musste? Ich habe den Bericht auf eurer Homepage gelesen!“ Wir grinsen! Er wünscht uns für dieses Jahr mehr Glück und verspricht am 1.11. zum Hockenheim-Lauf zu kommen! Wir stellen uns in den Startbereich. Langsam wird es ernst. Keiner lässt sich die Nervosität anmerken. Bernd hat seine größten Bedenken, weil es schon wieder viel zu warm ist, Francesco konnte wegen der Fahrradsache kaum schlafen, ich nur schlecht und Jürgen hatte Magen - Darm-Probleme. Nur Nathalie steht glücklich im Startblock D und gibt Stefan durch den Zaun noch ein Küsschen. Ihre Eltern werden sie dieses Jahr anfeuern.
Die Kulisse ist ein Traum. Rechts von uns die  wunderschöne, ehrfürchtige Kathedrale der Heiligen Maria, sie wird im Volksmund oft einfach La Seu genannt, der katalanische Ausdruck bedeutet „der Bischofssitz“  und ist das Wahrzeichen Palmas. Links ist das Meer, der Hafen mit den vielen Schiffen und  die Palmen entlang der Uferpromenade.  Vor uns die 9500 Teilnehmer. Über Lautsprecher wird teils deutsch, teils spanisch gesprochen. Es sind Läufer aus 48 Nationen dabei, darunter Australier und Jamaikaner - und ein Frauenanteil von 40%. Wow!

Der Startschuss ertönt und die ersten Marathonis und Halbmarathonis sind auf der Strecke. Wir bewegen uns im Gänsemarsch zur Startmatte und los geht's. Wir laufen zusammen alle sehr verhalten los. Francesco, der in seinem früheren Leben Hütehund gewesen sein muss, versucht sich an die Fersen von Jürgen und Bernd zu heften, die wiederum Nathalie folgen. Francesco macht die vermeintliche Australierin aus, die sich aber leider mit ihrer Aufschrift auf dem T-Shirt AUSTRIA als Österreicherin entpuppt. Wir scherzen noch ein Weilchen, dann trennt sich der Spreu vom Weizen. Nathalie setzt sich an die Spitze und läuft wie ein Uhrwerk. Mauerläufer Jürgen und Bernd bilden ein Team. Francesco und ich sind die Schlusslichter unserer Truppe. Schon nach wenigen km merkt Francesco die Auswirkungen des gestrigen Tages und den fehlenden Schlaf. Er ist platt. Der erste Anstieg folgt. Es geht hoch zur Festung Castell de Bellver. Dort ist der erste Wendepunkt. Francesco scherzt nicht mehr und ich kann ihn mit nichts aufmuntern. Es geht abwärts und wir nehmen wieder etwas Tempo auf. Die Kathedrale kommt  in Sichtweite und wir werden in den Hafen gejagt. Auch  hier ist ein Wendepunkt. Nathalie hat diesen  schon erreicht und kommt mir entgegen. Ich versuche im Kopf auszurechnen wie viele km sie vor uns ist – aber laufen macht doof! Endlich geht es in die engen Gassen von Palma. Hoch und runter! Auf dem Kopfsteinpflaster ist es schwer zu laufen. Im Cafe auf dem Platz Santa Eulalia wartet unsere Fangemeinde. Stefan hat für uns eine Flasche Cola in der Hand.  Wir bleiben kurz stehen und genießen das süße Getränk. Es geht weiter und Francesco trifft eine Entscheidung:  „Ich schaffe heute keinen Ganzen, ich steige beim HM aus!“  Ich schaue ihn an und muss ihm recht geben. Er ist am Ende. Heute ist nicht sein Tag. Wir verabschieden uns und jeder läuft alleine weiter. Ich bin etwas traurig weil wir gemeinsam durchs Ziel wollten. Schade! Auch Bernd und Jürgen haben ihre Probleme. Die beginnen in der zweiten Runde. Zuerst muss eine Palme für die kleinen Bedürfnisse herhalten, dann verschwindet Jürgen im nächsten Dixie. Getrennt von einander befragt, glaubte der eine 10 Min gewartet zuhaben, der andere meinte, das Dixie hätte keine Wasserspülung gehabt , war schon fast bis zum Rand gefüllt und hat sich dementsprechend beeilt.  Jürgen läuft an, geht, läuft, geht….bei km 29 meldet  er seine Bedenken an, dass er so nicht weiterlaufen kann. Die Beiden entscheidet sich für die Trennung. An die 4:10 Uhr ist nicht mehr zu denken, Ankommen ist heute das Ziel! Wir begegnen uns immer wieder an den Wendestellen. So kann ich sehen, wer wie weit vom anderen entfernt ist. Die zweite Runde wird auch für mich schwer. Ich verabschiede mich auch von meiner Zeitvorstellung 4:30 Uhr. An der letzten Wende ruft mir Bernd zu ich solle den Jürgen mitziehen. Ich mache Biene Maja, wie ich ihn liebevoll nenne, mit seinem gelben Leibchen und den gelben Strümpfen, in der Entfernung aus. Es dauert aber noch einige KM, bis ich ihn erreiche. Er sieht noch ganz munter aus, weigert sich aber strikt weiter zu laufen - er geht! Laufen würde in die Hose gehen!!! Ich setzte meinen langsamen Lauf durch die mittlerweile sehr belebten Gassen von Palma fort.

Francesco hat inzwischen seinen HM in 2:25:20 Stunden gefinished und liegt im Parc de la Mar auf dem Liegestuhl. Er lässt sich die Sonne auf den Bauch scheinen. Als er wieder zu Kräften kommt, stellt er sich bei km 34 an die Kathedrale und feuert mich an. Er wartet auf Jürgen und begleitet ihn die restlichen KM zum Ziel. 

Inzwischen ist Palma mit Touristen gefüllt und wir teilen uns mit ihnen die Strecke. An manchen Stellen müssen wir aufpassen wo die Strecke überhaupt weitergeht. Bernd  will einmal falsch einbiegen, wird aber gerade noch rechtzeitig zurück gepfiffen.

Ohne Probleme erreicht Nathalie in 4:12:23 Stunden das Ziel!  Wir anderen sind noch ein Weilchen auf der Strecke.

Es gibt so wunderschöne Cafe`s, dass ich mich eigentlich lieber in eines hineinsetzen möchte. Ich bahne mir aber weiter meinen Weg durch die Menschenmenge und werde von den Touris angefeuert. Ich überhole ständig die gleichen Läufer, die teilweise gehen und mich dann wieder einholen. Es sieht keiner mehr so richtig gut aus! Die Gassen nehmen kein Ende. Es geht immer wieder hoch und runter. Ich höre Trommeln. Ein Gruppe Frauen trommeln was das Zeug hält auf den letzten KM.  Endlich sehe ich die Palmen am Meer  - es ist nicht mehr weit. Ich höre den deutschen Sprecher wie er Bernd im Ziel erspäht und Hockenheim sofort mit dem Motorsport in Verbindung bringt. Knapp 2 Minuten später erreiche auch ich das Ziel. Nathalie steht schon ganz entspannt da und begrüßt mich glücklich. Medaillen gibt es nicht mehr! Mich wundert es nicht. Passt zur spanischen Orga.  Ich schleppe mich zur Wasserstation und kann von Oben hinunter sehen zum Bierzelt. Ich  wünsche mir einen 30m langen Sangria-Strohhalm, damit ich von oben das Bier herauf saugen kann. Bernd macht auch keine Anstalten hinunter zu gehen. Ich hänge noch etwas lechzend über der Mauer, dann humple ich mit Bernd hinunter und wir holen uns einen Becher des leckeren Getränks. Nathalie kommt locker daher, als hätte sie gerade einen Trainingslauf absolviert und besorgt  Ihrer Fangemeinde etwas zu trinken, die außerhalb des Zieleinlaufs in der Sonne brutzeln.

Wir setzen uns ins Gras und warten auf Jürgen,  der es trotz Gehen in 5:18:36 Stunden geschafft hat. Der Sprecher gibt  durch, dass noch immer 50 Athleten auf der Strecke sind. Fix und fertig mit Sonnenbrand im Gesicht geht es Richtung Bus und zurück zum Hotel.  Bis zur After run Party im Mega Park sind wir alle wieder fit und feiern ausgelassen bis nach Mitternacht.

 

Fazit

Mallorca ist immer eine Reise wert. Ob es unbedingt ein Marathon sein muss? Zwei Runden sind hart und nehmen diesem Event den  besonderen Reiz.  An der Organisation müssen die Spanier noch arbeiten, ansonsten war es sehr schön und wir kommen wieder – irgendwann -  wenn die Streckenführung  wieder bis Ballermann 7 geht!